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Das gewaltige Werk am Kreuz

Hebräer 2, 5-18

Über die zukünftige Welt, von der wir hier reden, werden keine Engel herrschen. Vielmehr heißt es an einer Stelle der Heiligen Schrift dazu: »Was ist schon der Mensch, dass du an ihn denkst? Und was ist der Menschensohn, dass du dich um ihn kümmerst? Für eine kurze Zeit hast du ihn zwar geringer gemacht als die Engel, aber dann hast du ihn mit Ruhm und Ehre gekrönt. Alles hast du ihm zu Füßen gelegt.« Wenn Gott aber seinen Sohn zum Herrscher eingesetzt hat, dann hat er ihm die Herrschaft über alles gegeben – ohne jede Ausnahme. Freilich können wir das jetzt noch nicht in vollem Umfang sehen. Aber wir sehen, dass Gott seinen Sohn Jesus, der für eine kurze Zeit niedriger war als die Engel, mit Ruhm und Ehre gekrönt hat. Dies war der Lohn für sein Sterben am Kreuz. Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass Jesus für alle den Tod erlitten hat. Gott, für den alles geschaffen wurde und durch den alles ist, wollte nämlich viele Menschen als seine Kinder annehmen und sie in sein herrliches Reich führen. Jesus sollte ihnen den Weg dorthin bahnen. Doch dazu war es notwendig, dass er selbst durch das Leiden am Kreuz zur Vollendung gelangte. So entsprach es dem Willen Gottes. Jetzt haben alle den einen Vater: sowohl Jesus, der die Menschen in die Gemeinschaft mit Gott führt, als auch die Menschen, die durch Jesus zu Gott geführt werden. Darum schämt sich Jesus auch nicht, sie seine Brüder und Schwestern zu nennen, wenn er sagt: »Ich will meinen Brüdern deinen Namen bekannt machen, vor der ganzen Gemeinde will ich dich loben.« Er sagt auch: »Gott allein will ich vertrauen!« Und weiter: »Hier bin ich, und hier sind die Kinder, die Gott mir gegeben hat.« Die Kinder aber sind wir, Menschen aus Fleisch und Blut. Christus ist nun auch ein Mensch geworden wie wir, um durch seinen Tod dem Teufel – als dem Herrscher über den Tod – die Macht zu entreißen. So hat er alle befreit, die ihr Leben lang in der Furcht vor dem Tod gefangen waren. Denn Jesus ist ja nicht um die Engel besorgt. Ihm geht es um die Menschen, um die Nachkommen von Abraham. Deshalb musste er uns, seinen Brüdern und Schwestern, auch in allem gleich werden. Dadurch konnte er ein barmherziger und zuverlässiger Hoherpriester für uns werden und sich selbst als Sühneopfer für unsere Sünden Gott darbringen. Denn weil er selbst gelitten hat und denselben Versuchungen ausgesetzt war wie wir Menschen, kann er uns in allen Versuchungen helfen.

 

Was für ein liebender Gott! Was für ein demütiger Gott! Vor Kurzem erzählte mir eine Freundin, dass ihre Mutter sehr alt und krank sei und sie sie wegen der Corona-Pandemie nicht besuchen dürfe. Sie wisse, dass sie von manchen Pflegepersonen sehr mies behandelt werde und könne nun wegen irgendeiner doofer Bestimmung nicht zu ihr gehen, ihr helfen, sie trösten und begleiten. Sie sei so wütend und frustriert, dass sie sich kaum noch zurückhalten könne. Ich verstehe sie gut. Es gibt wohl kaum ein schlimmeres Gefühl, als einer geliebten Person nicht beistehen und helfen zu können, weil es irgendwelche unbegründete oder ungerechte Regelungen nicht zulassen.

Gott musste zusehen, wie Jesus gelitten hat. Er hat nicht gelitten, weil er ein Mörder war oder etwas Schlimmes getan hatte. Nicht einmal deswegen, weil das Volk oder die damalige Regierung ihn zum Tode verurteilt hätte. Er litt, weil sein Vater es so beschlossen hatte. Das klingt nun möglicherweise nach einem sehr brutalen Vater und ich habe auch schon Personen gehört, die genau diese Frage haben: Wie kann ein liebender Gott seinen Sohn leiden sehen wollen?

Gott wollte seinen Sohn natürlich nicht leiden sehen. Trotzdem musste er diesem Skandal, dieser totalen Erniedrigung, Misshandlung und Tortur zusehen, weil er einen grösseren Wunsch hatte, als seinen Sohn nicht leiden zu sehen: Er wollte dich und deine Errettung. Gott sehnte sich mehr nach deiner Errettung als danach, seinen Sohn zu verschonen. Es war alles andere als einfach für Gott, seinen Sohn gehen zu lassen und einzuwilligen, dass man seinen Sohn so schändlich umbrachte. Es gibt eine Auffassung die besagt, dass, als Jesus am Kreuz schrie «mein Gott mein Gott warum hast du mich verlassen?» Gott seine Augen von Jesus abwenden musste, weil er ihn sonst gerettet hätte. Auch wenn ich glaube, dass dies theologisch wahrscheinlich nicht richtig ausgelegt ist, finde ich es ein treffender Gedanke. Ich weiss nicht, ob wohl Gott oder Jesus in diesen Stunden mehr gelitten hat. Warum hätte es nicht gereicht, Jesus einfach harmlos zu vergiften und kurz darauf ihn wieder auferstehen zu lassen?

Weil dies nicht die Rettung hätte bringen können, die wir Menschen brauchen. Er wollte uns nicht nur von dem Tod erretten. Jesus liess sich der Ungerechtigkeit völlig ausliefern, um Gerechtigkeit wiederherstellen zu können. Er liess sich selbst töten, um den Tod über uns entmachten zu können. Er liess sich körperlich aufs äusserste verwunden, um unsere körperlichen Wunden zu heilen. Er wurde verachtet, damit wir in Ehre leben können. Er nahm alles auf sich, um uns eine vollständige Errettung geben zu können. Nur, weil er selbst gelitten hat, kann er jetzt denen helfen, die leiden. Das ist eine Art von Demut und Hingabe, die unser menschliches Denken und Verstehen übersteigt. Wir können dies nicht erfassen, sondern brauchen eine Überführung des Heiligen Geistes, der uns aufzeigt, uns sehen, erfahren und spüren lässt, welche Kraft der Liebe diese Botschaft enthält. Und je mehr wir erkennen, desto mehr werden wir und unsere Herzen transformiert. Jesus transformierte sich in einen Körper aus Fleisch und Blut, sodass wir uns nun in einen vollkommenen Körper umwandeln können. Er wurde als unvollkommener Körper verurteilt, damit wir nun in einen vollkommen herrlichen Körper begnadigt werden können.


Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

Jes. 53, 5


Er wird unseren unvollkommenen Körper umwandeln und wird ihn seinem eigenen Körper gleichmachen, der Gottes Herrlichkeit widerspiegelt.

Phil. 3, 21