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Die Frucht des heiligen Geistes

Hebräer 10,19 – 31

Und so, liebe Brüder und Schwestern, können wir jetzt durch das Blut, das Jesus Christus am Kreuz für uns vergossen hat, frei und ungehindert ins Allerheiligste eintreten. Christus hat den Tod auf sich genommen und damit den Vorhang niedergerissen, der uns von Gott trennte. Durch seinen geopferten Leib hat er uns einen neuen Weg gebahnt, der zum Leben führt. Er ist unser Hoherpriester und herrscht nun über das Haus Gottes, seine Gemeinde. Darum wollen wir zu Gott kommen mit aufrichtigem Herzen und im festen Glauben; denn das Blut von Jesus Christus hat uns von unserem schlechten Gewissen befreit, und unser Körper wurde mit reinem Wasser von aller Schuld reingewaschen. Haltet an dieser Hoffnung fest, zu der wir uns bekennen, und lasst euch durch nichts davon abbringen. Ihr könnt euch felsenfest auf sie verlassen, weil Gott sein Wort hält. Lasst uns aufeinander achten! Wir wollen uns zu gegenseitiger Liebe ermutigen und einander anspornen, Gutes zu tun. Versäumt nicht die Zusammenkünfte eurer Gemeinde, wie es sich einige angewöhnt haben. Ermahnt euch gegenseitig dabeizubleiben. Ihr seht ja, dass der Tag nahe ist, an dem der Herr kommt. Wir haben in Christus die Wahrheit erkannt. Sündigen wir aber auch jetzt noch mutwillig weiter, gibt es kein Opfer mehr, das uns von unseren Sünden befreien kann. Dann bleibt nichts als das schreckliche Warten auf das Gericht, in dem Gottes verzehrendes Feuer alle seine Feinde vernichten wird. Wenn jemand gegen das Gesetz von Mose verstößt und dieses Vergehen von zwei oder drei Zeugen bestätigt wird, kann er keine Gnade erwarten. Er muss sterben! Was meint ihr, um wie viel härter die Strafe für den sein wird, der den Sohn Gottes gleichsam mit Füßen tritt, dem das Blut des neuen Bundes nichts mehr bedeutet, durch das er doch Gemeinschaft mit Gott haben konnte! Ein solcher Mensch beleidigt Gottes Geist, von dem er nichts als Gnade und Barmherzigkeit erfahren hat. Wir alle kennen doch den, der gesagt hat: »Ich werde Rache nehmen und Vergeltung üben!« Von ihm heißt es auch: »Der Herr wird über sein Volk das Urteil sprechen.« Wie furchtbar wird es allen ergehen, die dem lebendigen Gott in die Hände fallen!

 

Was für eine gute Nachricht: Wir haben freien Zugang zu Gottes Heiligtum! In der irdischen Stiftshütte war es ein Vorhang, durch den wir hindurch mussten, um dahin zu gelangen. Nun aber ist es der Leib Christi, bzw. durch das Opfern dieses Leibes, durch das wir zu Gottes Heiligtum gelangen. Es gibt keinen anderen Weg. Wir machen auch keine rituellen Waschungen mehr, um rein zu werden und in Gottes Heiligtum eintreten zu können. Denn Gottes Blut hat unseren Leib und unser Herz ein für alle Mal gewaschen. Wir sind rein! Wir machen nicht, wir sind!

Nun kommt natürlich die Frage, die auch Paulus bereits im Römerbrief thematisierte: Wenn wir nicht mehr unter dem Gesetz stehen und nichts mehr tun können, um vor Gott rein oder unrein zu werden, kann ich dann sündigen und tun was ich will, ohne eine Konsequenz oder eine Strafe davon zu tragen? Ja und Nein. Jesus ist nicht gekommen, um das Gesetz zu vernichten, sondern um es zu erfüllen (Matth. 5,17). Gottes Sinn für Gerechtigkeit bleibt gleich. Zudem hat das Gesetz noch nie als Heilsweg gedient, sondern zeigte den Menschen ihre Sündhaftigkeit auf (Röm. 3,20). Es kann keine Heilige aus uns machen, sondern erinnerten uns daran, dass wir Sünder sind. Es versetzte uns in einen erbärmlichen Zustand und liess uns erkennen: wir brauchen einen Retter! Es war, wie in Galater 3 beschrieben, ein strenger Zuchtmeister über uns und man erntete einen Fluch, wenn man das Gesetz missachtete. Das Gesetz war eine äusserliche Kontrolle über uns, eine Macht, die unsere Fehltritte bestrafte.

Nun hat Gott uns sein Gesetz aber in unser Herz geschrieben, was bedeutet, dass wir nicht mehr durch Strafe, Flüche und Zorn kontrolliert werden sondern durch Gottes Geist in unseren Herzen. Wir gehorchen nicht mehr, weil wir den Fluch fürchten. Wir geben keine Spenden, damit wir Gott gnädig stimmen können, damit er uns heilen wird. Genau so wenig gehen wir nicht in den Gottesdienst, damit wir seinen Segen über unsere Familie erkaufen können. Alles hat Jesus für uns bereits am Kreuz erkauft, alles! Wir gehorchen nicht, um etwas zu verdienen. Jesus sagt: «Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten» (Joh. 14, 15). Wir wissen, dass es für Gott nichts Wichtigeres gibt, als dass wir ihn, unsere Mitmenschen und uns selbst lieben. Unsere Liebe zu ihm zeigt sich daran, wie wir damit umgehen. Unsere Motivation zum Gehorsam ist nun die Liebe. Deshalb heisst es in 1. Joh. 4, 18: Wo die Liebe regiert, hat die Angst keinen Platz; ´Gottes` vollkommene Liebe vertreibt jede Angst. Angst hat man nämlich dann, wenn man mit einer Strafe rechnen muss. Wer sich also noch ´vor dem Gericht` fürchtet, bei dem ist die Liebe noch nicht zum vollen Durchbruch gekommen.

Wenn wir uns nun Gottes Gesetz widersetzen, dann ziehen wir keinen Fluch auf uns, denn in Jesus sind wir freigekauft vor jedem Fluch. Aber wir trüben das Herz Gottes und zeigen, dass wir unserem Willen mehr gehorchen wollen als dem von Gott. Wenn wir Gott wirklich lieben, werden wir das nicht tun wollen. Der Heilige Geist wird uns das aufzeigen und uns dabei helfen zu wachsen, was zu Früchten wie Selbstbeherrschung und Selbstverantwortung führt. Wir brauchen uns nicht mehr zu fürchten sondern dürfen wissen, dass Gott für uns ist! Nun müssen wir lernen, mit dieser Neuen Freiheit verantwortungsvoll umzugehen.

Ich möchte euch ein Beispiel geben: Vor acht Jahren machte ich im Ausland in eine Jüngerschaftsschule, die sich als sehr herausfordernd herausstellte. Zu allen Kulturunterschieden, der neuen Sprache, der Hitze, den für mich unverständlichen Regeln und die grosse Menge an Schularbeit kam noch dazu, dass ich immer grösser werdende Verdauungsprobleme bekam. Ich fühlte mich von Gott im Stich gelassen und meine morgendlichen Dankgebete reduzierten sich auf eine religiöse Übung. Als mir Gott sagte, dass ich mehr auf meine Ernährung und meine Gesundheit achten solle, wurde ich sauer: Will mir Gott jetzt das Letzte Schöne auch noch wegnehmen? Jetzt darf ich nicht einmal mehr essen, was ich möchte? Gott schien mir sehr geizig und ich sagte zu ihm: «Gott, ich glaube nicht, dass ich mein Essverhalten so ändern kann, dass es dir gefallen könnte. Ich glaube, dass ich Lebensmittelunverträglichkeiten bräuchte, um einen dir gefälligen Essensstil aufrecht erhalten zu können.» Als ich die Schule beendete und nach Hause kam, wo ich endlich Zeit für die medizinische Versorgung fand, bekam ich kurze Zeit darauf die Diagnose einer chronischen Darmentzündung und diverser Lebensmittelunverträglichkeiten. Ich war allerdings nicht böse auf Gott sondern beinahe dankbar. Denn mein Gesundheitsstand hatte sich schon dermassen verschlechtert, dass ich wirklich kaum mehr was essen konnte. Ich glaubte zu wissen, dass, wenn ich keine Schmerzen hätte, ich es nicht schaffen würde, mich gesund zu ernähren, selbst wenn ich gewusst hätte, dass ich bei weiterer Verschlechterung den Darm hätte herausoperieren müssen. Eines Tages merkte ich aber: Momentmal, was waren das denn für doofe Gedanken, die ich über mich hatte? Wenn der Heilige Geist in mir ist und seine Frucht die Selbstbeherrschung ist: weshalb sage ich dann zu Gott, dass ich den strengen Zuchtmeister der Lebensmittelunverträglichkeiten brauche? Gott hat mich doch freigekauft!! Ich erkannte, was Gott für mich getan hat und bat Gott ernstlich um Vergebung für meine unsinnigen Worten, die wie ein Schlag auf Jesu und sein Werk waren.

Ja, leider fühlen wir uns in Regeln und unter externen Zuchtmeistern oft sicherer als in Gottes Geist. Deshalb ist es wichtig, den Heiligen Geist immer mehr kennen zu lernen und zu merken, wie vertrauenswürdig er ist!

Die Frucht hingegen, die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung.

Gal. 5,22